Pressemitteilung über 3. Umweltdialog, Thema Großdeponie Herzfelde

3. Umweltdialog in Hennickendorf „Deponie oder Naturparadies?

Der 3. Umweltdialog in Hennickendorf mit dem Titel „ Deponie oder Naturparadies?“ hat am 16.05.19 ein großes Echo gefunden. Der bis auf den letzten Sitzplatz gefüllte Saal in der Hennickendorfer Grundschule bot Raum für interessierte Bürgerinnen und Bürger aus der Gemeinde Rüdersdorf und Grünheide. Frau Laumer (BI) führte in strukturierter und aufmunternder Weise durch das Programm.
Zunächst informierte Herr Haase (NABU) über Naturschätze der Umgebung zwischen den „Langen Dammwiesen“ und dem „Roten Luch“. Neben dem Feldhasen, den immer seltener werdenden Fledermäusen und dem Fischotter, sind es eine Vielzahl an z.T. seltenen Insekten und Amphibien, wie der Große Feuerfalter (Lycaena dispar) oder die Rotbauchunke, welche diese Landschaftsschutzgebiete bevölkern.
Die Pflege der Flächen durch Maat und den Einsatz von „vierbeinigen Rasenmähern“ – gemeint sind Wasserbüffel und Heckenrind – hat die Ansiedlung von Baumweißlingen, dem sehr seltenen Sumpfläusekraut und dem Händelkraut ermöglicht. Neben diesen einheimischen Orchideen erfreuen die Feldlärche und die Kraniche das Auge des Wanderers. Diese seltenen einheimischen Orchideen gilt es in diesen Refugien zu schützen. Nicht zuletzt der Kiebitz, er ist als Nestflüchter auf freie Flächen und Versteckmöglichkeiten angewiesen. Dies gelingt ihm am besten in beweideten Grünflächen.

BUND, NABU und die GRÜNE LIGA haben sich zur Schutzgemeinschaft zusammengeschlossen. Die Tongruben, die seit 1993 frei liegen, sind Bergbau-Folgelandschaft und waren ein wertvolles Biotop. Die Errichtung einer Deponie wird sehr kritisch gesehen. Es gibt laut einer vom LfU beauftragten Studie aus 2017 keinen Bedarf an zusätzlichen Deponien, zumindest bis 2027. Denn es gilt in der Abfallwirtschaft zunächst das Prinzip der Vermeidung, dann die Alternative der Wiederverwertung (Schreddermaterial für den Straßenbau) und erst zuletzt die Not-lösung der Endlagerung.
Da es 24 Vorbehaltsflächen in Brandenburg gibt, die in den kommenden Jahren hinreichend Bauabfälle aufnehmen könnten, ist eine Notwendigkeit der beantragten Deponie nicht gegeben.
Informationen zur Beratungsvorlage der HKV, des Investors, der die Großdeponie beantragt hat, erhielten wir von Herrn Heinzel-Berndt (BUND). Gut nachvollziehbar schilderte er die Prozedere des Planfeststellungsverfahrens. Vorbereitend ist hierzu das Scoping-Verfahren, ein komplexes Untersuchungsverfahren, das nach EU-Richtlinie seit 1997 vorgeschrieben und im Bundesnaturschutzgesetz verankert ist. Es untersucht Umfang, Abgrenzung, Raum und Aufgabenbereich des vom Antrag betroffenen Areals. Auch die Beeinflussung des Grundwasserspiegels stellt einen erheblichen Eingriff in die Umwelt dar.
Dies war ein zentrales Thema des Abends, denn es ging um Einwendungen seitens der Bürgerinnen und Bürger, die im Rathaus Rüdersdorf die Planungsunterlagen einsehen und ihre Kritik äußern können. Einwendungen sind ab dem veröffentlichen Erörterungstermin möglich. Nachzulesen seitens LfU, Gemeinde und natürlich auf unserer Homepage:
https://gesund-am-stienitzsee.de
Am 23.05. kann man sich in der öffentlichen Sitzung der Gemeindevertretung 18:30 h Gemeindezentrum Möllenstr. 12, 15378 Herzfelde über den Bebauungsplan Nr. 41 „Bergbaufolgelandschaft, Tonlöcher“ informieren.
Herr Rudorf (BI GLAS) stellte eine Fülle von Fakten vor, die belegten, dass die beantragte Großdeponie alles andere als harmlos würde. Laut Antrag durch die HKV sollen mineralische Abfälle eingebracht werden. Neben Bauabfällen aber auch Kesselasche, Klärgutrückstände und viele andere kontaminierte Stoffe.
Außer der Belastung der umliegenden Zufahrtsstraßen, u.a. der B1, die jetzt schon zu einer Belästigung der Anwohner führt, sind es aufgewirbelter Feinstaub, Verkehrslärm und Emissionen von der Deponie selbst. Die über 20 Jahre andauernde Verfüllung des Deponiekörpers wird zu einem nahezu 40 Meter hohen Schuttberg führen. 20 Jahre Belastung für die Anwohner und deren Kinder. Gegen ein solches Monster hat sich wortstark die ganze Versammlung gewandt.
Ausgewaschene Schadstoffe aus dem Deponiekörper sind noch gar nicht absehbar, denn ein Kontrollsystem ist sehr fraglich.
Das im Abschlussbetriebsplan von 1992/94 erlaubte Verfüllen der Tonlöcher mit Z1-Material ist nach neuerer Rechtsprechung unzulässig und zu verbieten, darauf haben wir die Bergbaubehörde hingewiesen. Es darf nur Z0-Material (unbelastetes Naturmaterial) verwendet werden.
Von den Mitgliedern der BI und in besonderem Maße von vielen kritischen Zuhörern wurde sehr bedauert, dass keine Mitglieder der Gemeindeverwaltung der Einladung zum Umweltdialog nachgekommen sind.
Aus dem Publikum wurde die Frage gestellt, ob von den sich hier engagierenden Personen jemand für die Gemeindevertreter-Wahl zur Verfügung stehe. Entsprechende Personen standen auf. Da werden die Gemeindevertreter wohl neidisch, die gestern nicht anwesend waren.
Herr Prof. Dr. Schmitt (Direktor des Deutschen Entomologischen Instituts) stellte in aller Deutlichkeit dar, dass Naturschutzflächen oder auch Grünflächen, in denen schützenswerte Arten leben, niemals isoliert werden dürfen. Wir benötigen zum Erhalt der Arten vernetzte Flächen in denen sich die Organismen genetisch austauschen und vermehren können. Sonst führt dies zu Inzucht und anschließender Dezimierung der Population. Auch eine Umsetzung von Organismen an Ausweichstandorte ist keine sinnvolle Alternative.
Zum Ende der Veranstaltung haben wir für Interessierte auf den Link zum RBB-Beitrag zum Robur-Bus in Hennickendorf aufmerksam gemacht. Dieser ist auch auf unserer BI-Webseite zu finden.

Anlagen:
Pressemitteilung über 3. Umweltdialog Thema Großdeponie Herzfelde (PDF)

Dieser Beitrag wurde unter DEPONIE Herzfelde/Hennickendorf, Presse, Termine/Aktionen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.