Neuer Umweltbericht „IKW Rüdersdorf“

Bei den toxischen Stickoxiden NOx und bei Salzsäure HCL wird  am Grenzwert gefahren.
Erste Betrachtung von BI Experte Dipl.-Ing. Jürgen Rudorf zum Vattenfall Umweltbericht 2012!!!!!!!!!
Sein Vergleich zur MVA Köln………………….im
Osten nichts Neues! Wo Dreck war kann auch wieder Dreck hin.
Brandenburger Umwelt und Wirtschaftspolitik!!!!!!!!!!!!
Wer verantwortet eigentlich diese
Ministerien??????
D
ie Antwort im nächsten Blog!

Unser Mitglied Dipl.-Chem. Jürgen Rudorf klärt auf:

Hallo,
ich lese gerade
http://corporate.vattenfall.de/de/file/VNEW_301_01_03_Umwelterklaerung_Ruedersdorf_R2_DS_www_Final.pdf_42582801.pdf

Der Bericht ist erst vom 26.08.2013 und unterschrieben vom Umweltgutachter Krings aus Ratingen – der sitzt also auch 600 km weit weg.

In 2012 lief die Anlage fast auf Volllast durch, sie war 7.534 Stunden (von 8760 h / Jahr)  durch Befeuerung mit Abfällen in Betrieb. Dabei wurden insgesamt 240.129 t Abfälle angenommen und 238.663 t Abfälle verbrannt. Die Anlage ist nur für 230.000 t, max. 250.000 t ausgelegt bzw. genehmigt, das war hart an der Grenze! Knapp ein Drittel dieser Menge bleibt als Asche zurück.

Interessant ist das Vorwort, dass auf die bestehende Verfahrensweise noch zutrifft, in Zukunft aber nicht mehr gelten soll, wenn der Antrag durchkommt:

  1. „Von diesen Abfällen kann der Anteil, der stofflich nicht nutzbar ist, durch thermische Verwertung sinnvoll für die Energieerzeugung genutzt werden. Dazu werden Siedlungsabfälle in mechanisch-biologischen Behandlungsanlagen (MBA) oder mechanisch-physikalischen Sortieranlagen (MPS) vorbehandelt und aufbereitet.“
    => Genau diese (externe) Sortierung soll künftig entfallen, es soll künftig nicht aufbereiteter Müll verbrannt werden!
  2. „Die am östlichen Rand von Berlin im Landkreis Märkisch-Oderland liegende Abfallverbrennungsanlage IKW Rüdersdorf – kurz „IKW Rüdersdorf“ – dient der thermischen Verwertung von aufbereiteten Siedlungsabfällen, überwiegend aus dem Raum Berlin-Brandenburg, und erzeugt aus den verbrannten Abfällen elektrische Energie. Das IKW Rüdersdorf ist mit einem besonders hohen elektrischen Wirkungsgrad geplant worden, so dass im Vergleich zu herkömmlichen Abfallverbrennungsanlagen eine deutlich höhere Stromausbeute erreicht wird.
    => In der Zeitungsanzeige log der Geschäftsführer, dass sie auch für unsortierten Abfall geplant sei (der einen weit geringeren Heizwert hat). Mit der „Effizienz“ und der Zertifizierung selbiger ist es dann künftig sicher vorbei.
  3. Denn auf Seite 9 steht sicher richtig: „Das IKW Rüdersdorf ist ausgelegt für Heizwerte der Abfälle von 11 bis 18 MJ/kg. Braunkohle hat im Vergleich einen Heizwert von circa 8 bis 10 MJ/kg, Steinkohle um 20 MJ/kg.“
    => Laut Antrag soll der Abfall künftig aber einen Heizwert von nur mindestens 6 anstatt bisher mindestens 11 MJ/kg haben müssen – dafür ist die Anlage aber nicht ausgelegt! Das ist eine Reduzierung um 45%! Wenn die gleiche Feuerungswärmeleistung erzeugt werden soll, muss entsprechend mehr Abfall eingebracht werden. Logischerweise sinkt dann die Verweilzeit auf dem Rost entsprechend. Wie kann man dann in dem Zeitungsinserat behaupten, die Anlage sei dafür ausgelegt? Gerade die auf vergleichsweise hohe Heizwerte ausgelegte Anlage in Rüdersdorf ist eben gerade das nicht! Oder soll dann laufend mit Stützfeuer (Heizöl) gefahren werden?
  4. Im Änderungsantrag steht: „Dieses (die Untergrenze von 11 MJ/kg) wurde durch das R1-Kriterium ersetzt. In einem Gutachten eines externen Sachverständigen wurde bestätigt, dass das IKW die Kriterien für eine Verwertung einhält.“
    => Mag sein, dass dies bisher noch so war – aber daraus folgt doch nicht, dass dies mit nur 6 MJ/kg immer noch so sein wird – oder?
  5. Nächster Satz im Änderungsantrag: „Aufgrund dieser Situation wird die Anpassung der Annahmekriterien an die praktischen Erfahrungen beantragt.“
    => Welche Erfahrungen? Mit nur 6 MJ/kg? Soll das heißen, die Anlage wurde bereits entgegen den Genehmigungsauflagen betrieben?
  6. Im Umweltbericht steht, dass 2012 bereits 15 x (!) Radioaktivitätsalarm ausgelöst wurde. Und welchen Schluss zieht Vattenfall daraus?
    => Die Häufung des Radioaktivitätsalarms soll möglichst unbekannt bleiben, Zitat aus dem Änderungsantrag:
    „Eine Information an weitere Behörden darüber hinaus soll durch IKW Rüdersdorf nicht erfolgen.“
  7. „Insgesamt wurden im Berichtszeitraum 1.383 Proben analysiert. In sieben Fällen musste aufgrund der Nichteinhaltung von Annahmekriterien vom IKW Rüdersdorf eine Rückweisung ausgesprochen werden.“
    => Also ist die Überwachung doch nicht sinnlos! Ohne Überwachung hätte es gar keine Rückweisung gegeben.
    Wie viele Analysen ergaben Überschreitungen,  o h n e   es zu Rückweisungen kam?
    => Es muss ja sehr viele Überschreitungen geben, wenn die 7 eine Ausnahme waren, denn in der Regel wird der Abfall ja trotzdem verbrannt anstatt zurückgewiesen, weil die Analysenergebnisse zu spät vorliegen – so steht es jedenfalls im Änderungsantrag: „Da die Analyseergebnisse der Inputkontrollen erst vorliegen, wenn der beprobte Abfall bereits thermisch verwertet wurde, besteht keine direkte Reaktionsmöglichkeit.“
  8. Die Luftbelastung hat 2012 zugenommen (1 Mg = 1 Tonne). Der offensichtliche Fehler bei der Staubangabe 2011 wurde nicht korrigiert:
    artikel_umweltbericht001
  9. Aufgrund eines Beschlusses der Bund/Länderarbeitsgemeinschaft für Immissions­schutz (LAI) vom 05. / 06.05.2011 wurde die Berechnungsmethode zur Bestimmung der Schadstofffrach­ten geändert und war ab 01.01.2012 anzuwenden. Dies führt in den meisten Fällen dazu, dass sich die berechneten Schadstofffrachten im Vergleich zu den Ergebnissen der alten Methodik erhöht haben. In den erteilten Genehmigungen wurden keine Grenzwerte für die Gesamtemissionen an SO2, NOX und Staub (PM) festgelegt. Über die kontinuierliche Messung der Luftschadstoffe im gereinigten Rauchgas erfolgt eine permanente Überwachung.
    => Ja, es ist üblich die Konzentration zu begrenzen, nicht die Fracht. So ist es auch beim Abwasser.
  10. WICHTIG:

    „Im Berichtszeitraum benachrichtigte das IKW Rüdersdorf das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg über 45 Überschreitungen der Halbstundenmittelwerte sowie über fünf Überschreitungen von Tagesmittelwerten (!) jeweils einzelner Parameter.“Und was steht im Änderungsantrag? Zitat aus der Kurzbeschreibung Punkt 4.1.1.4 auf Seite 7, Zitat:„Die Betriebserfahrungen zeigen auch, dass die genehmigten Emissionsgrenzwerte für diese Parameter (strenger als Grenzwerte der 17. BlmSchV) zu jeder Zeit sicher eingehalten und deutlich unterschritten werden. Dies ist auch eine Folge der ständigen Optimierung der Abgasreinigung. Auch bei höheren Inputgrenzwerten sind aufgrund dieser Erfahrungen Überschreitungen bei den Emissionswerten auszuschließen.“

Ich schlage vor, dass wir uns nur auf diesen wesentlichen Punkt zu stützen, denn auf ihn baut sich die ganze Antragstellung auf:

–       andere Abfälle verbrennen – egal,
–       mehr  Abfälle verbrennen – egal
–       Abfälle nicht mehr analysieren – auch egal, denn
„Auch bei höheren Inputgrenzwerten sind aufgrund dieser Erfahrungen
Überschreitungen bei den Emissionswerten auszuschließen“

Da Vattenfall mit dem jüngsten Umweltbericht für 2012 sich selbst ein Bein stellt, bricht  deren gesamte Argumentation wie ein Kartenhaus zusammen!

Diese Blamage ist bei Gesprächen mit führenden Amtsträgern ganz klar herauszustellen! Nehmt den Ausdruck der Kurzbeschreibung zu den Gesprächen mit und markiert diese Sätze unter Punkt 4.1.1.4 auf Seite 7!

Und legt den Umweltbericht von Vattenfall 2012 daneben!

Und zwar diese zwei Stellen auf Seite 9:

1)

„Die Schwankungen in den Gesamtemissionen an SO2, NOX, Staub (PM) sind in unmittelbarem Zusammenhang mit der Abfallzusammensetzung zu sehen und damit zu begründen. Wurde durch die kontinuierlichen Emissionsmessungen ein Anstieg an SO2 festgestellt, wurden entsprechende Maßnahmen, wie Information der Abfallerzeuger, Abweisung nach organoleptischer Kontrolle, eingeleitet.“

2)

artikel_umweltbericht002

Aha! Und nun will man noch ganz andere Abfälle annehmen und die gut 1000 Analysen / Jahr einsparen?!  Ja klar doch, dann wird der Umweltkriminalität Tür und Tor geöffnet (den der Wegfall der Analysen in Rüdersdorf spricht sich schnell herum, das zieht die kriminellen Entsorger sicher magisch an), was ankommt wird direkt in den Bunker gekippt, toll. Und am besten es wird überhaupt nichts mehr gemessen – nur dann wird man jede Grenzwertüberschreitung ausschließen können. Der Antrag ist eine einzige Frechheit.

Die Schadstoffbelastung steigt immer stärker, selbst der zugelassene Tagesmittelwert (hellblau) wird für HCl und NOx sogar „im Jahresdurchschnitt“!! fast erreicht. Offensichtlich ist man stolz Kalk einzusparen und die Grenzwerte voll „auszureizen“!

Hier sitzen verantwortungslose Kaufleute am Steuer, keine umweltbewussten Ingenieure, seht Euch diese Grafiken an:

artikel_umweltbericht003

Die gelben Balken (Halbstundenwerte) sind absolut nicht mit den „durchschnittlichen Tagesmittelwerten“ vergleichbar, die gehören hier überhaupt nicht in diese Grafiken hinein!

 Denn den zugelassenen Halbstundenwerten hätte man die tatsächlichen Halbstundenwerten des IKW Rüdersdorf gegenüberstellen müssen, z.B. in einer Häufigkeitsverteilung  – aber die verschweigt man ja besser!

Alles eine einzige, beabsichtigte Irreführung der Öffentlichkeit!

So, ich gehe jetzt zu Bett (6:00 Uhr) und erhole mich erst einmal eine Woche; ich hoffe, Vattenfall bittet wenigstens um Terminverlängerung zur Überarbeitung dieses offensichtlich inhaltlich grob fehlerhaften Änderungsantrages. Ich habe keine Lust, deswegen mehrmals zwischen Köln und Rüdersdorf zu pendeln – obigen Sachverhalt kann doch jeder lesen und verstehen – oder?

Viele Grüße

Jürgen

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